Wasserhaushalt
Veränderungen des Waldaufbaus und der Waldnutzung können sich auf den Zustand der Gewässer im Wald auswirken, indem sie die Menge und Dynamik der Abflussbildung beeinflussen. So kann durch den Baumartenwechsel oder durch Walderschließungsmaßnahmen die ausgleichende Wirkung der Wälder auf die Abflussdynamik nachhaltig verändert werden.
Zur Beschreibung des hydrologischen Prozessgeschehens in bewaldeten Einzugsgebieten liegen Informationen auf sehr unterschiedlichen Skalenebenen vor (großmaßstäbliche Informationen im Teileinzugsgebiet "Lange Bramke", mittlere Maßstäbe im Einzugsgebiet der Oker). Das hydrologische Modell muss in der Lage sein, die Daten skalenunabhängig zu verarbeiten. Grundlage der Wasserhaushaltsmodellierung bilden Flächendatensätze der Forst- und Umweltverwaltung sowie Zeitreihen des Klimas für den meteorologischen Antrieb.
Modellauswahl und Modellbeschreibung
Ziel des Projektes ist ein Instrumentarium zu schaffen, mit dem die Auswirkungen von forstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen auf die Quantität und Qualität der Oberflächen- und
Grundwässer in bewaldeten Einzugsgebieten beschrieben werden kann. Mit Hilfe eines gebietsdifferenzierten hydrologischen Einzugsgebietsmodells können die komplexen Prozesse des
Wasserhaushaltes abgebildet werden. Die wesentlichen Kriterien für die Modellauswahl sind:
- skalenunabhängige Anwendbarkeit und Übertragbarkeit ("Lange Bramke" => Oker)
- frei wählbare zeitliche und räumliche Auflösung der Modellparameter und frei wählbare räumliche Gebietsdiskretisierung
- Ableitung der Modellparameter aus allgemein verfügbaren Datensätzen
- ‚open source'-Konzept (freie Verfügbarkeit des Modells inkl. Quellcode) und modulare Modellstruktur
- bereits erfolgreiche Anwendung des Modells in anderen Untersuchungsgebieten
- direkte oder indirekte Anbindung an ein Geographisches Informationssystem (GIS)
- Implementierung von Modellbausteinen zur Schneeakkumulation und -schmelze, Grundwasserneubildung, Wellenverformung (Routing), Drainage und Bewässerung

Abb. 1: Modellschema WaSiM-ETH (Schulla, 1997).
Der Simulation vorgeschaltet ist eine windabhängige Korrektur der Stationsniederschläge. Der meteorologische Antrieb der Klimastationen wird mit Hilfe verschiedener Verfahren (IDW,
höhenabhängige Regression), die vom Anwender ausgewählt und kombiniert werden können, auf das Flächenraster des Modells interpoliert. Weiterhin besteht die Möglichkeit
einer topographiebedingten Strahlungskorrektur und Temperaturmodifikation. Eine wesentliche Erweiterung erfuhr das Modell außerdem durch die Integration von Stofftransportalgorithmen in allen
Teilmodellen. Die aktuelle WaSiM-ETH-Version beinhaltet verschiedene Möglichkeiten der Bewässerungsmodellierung sowie ein Modul zur künstlichen Drainage. Auch kann der Überstau
durch Wälle an Feldrändern und von in den Boden eingelagerten Stauschichten berücksichtigt werden. WaSiM-ETH berechnet die Wasserumsätze auf einem Modellgitter mit quadratischen
Zellen und simuliert die Abflussganglinie im Gewässer mit Hilfe eines Routingschemas. Die Modellkalibrierung für das Einzugsgebiet der "Langen Bramke" erfolgt auf Grundlage der Jahre 1990
bis 1999 (s. Abb. 2). Der Validierungszeitraum umfasst den Zeitraum von 1980 bis 1989. Der gesamte Simulationszeitraum beginnt mit den Wiederaufforstungsmaßnahmen im Jahr 1950 und endet im Jahr
2000.

Abb. 2: Abflussganglinie am Pegel "Lange Bramke".
Ausblick und Szenarienentwicklung
Die Art und Intensität der Waldbewirtschaftung hat einen direkten Einfluss auf den Gebietswasserhaushalt. In Bezug auf den Wasserhaushalt in bewaldeten Einzugsgebieten bedeutet dies, dass mit
Hilfe von Szenarienanalysen die Auswirkungen verschiedener Nutzungsstrategien zeitlich und räumlich quantifiziert werden müssen. Am Beispiel des Einzugsgebietes der "Langen Bramke"
können die Folgen möglicher Nutzungsänderungen auf den Wasserhaushalt detailliert untersucht werden. Grundlage bildet das kalibrierte und validierte hydrologische Modell, das das
hydrologische Prozessgeschehen in seinem jetzigem Zustand (Istzustand) beschreibt. Aus waldbaulicher Sicht sollen zunächst folgende drei Szenarien gerechnet werden, die eine direkte Anbindung an
das Bestandesentwicklungsmodell BWINPro erfordert:
- Langfristige Ökologische Wald-Entwicklung (LÖWE)
- Potentielle Natürliche Vegetation (PNV)
- maximaler Waldreinertrag
Literatur
Bearbeiter: Johannes Sutmöller
